Reicht eine „Erleuchtung“ aus, um Narzissmus zu heilen?

Definitiv nicht.

Narzissmus ist ein tief verwurzeltes, erlerntes Muster von Kontrolle und Grandiosität, das um ein auf Scham und Trauma basierendes Selbst herum aufgebaut ist. Er entwickelt sich im Laufe eines Lebens. Daher reicht es leider nicht aus, sich dieser Tatsache einfach nur bewusst zu sein.

Diejenigen, die narzisstische Züge aufweisen, haben irgendwann die Fähigkeit verloren, zu vertrauen und verletzlich zu sein. Wie man ein verletzliches, vertrauensvolles und kooperatives Mitglied einer sozialen Gruppe ist, lernt man im Laufe des Erwachsenwerdens. Hierbei wird einem Menschen immer mehr Macht verliehen, während er gleichzeitig mit Respekt behandelt wird und Zuneigung erfährt. Kurz gesagt: Dieser Mensch wird so akzeptiert, wie er ist, und dazu ermutigt, die Menschen in seinem Umfeld zu lieben und von ihnen geliebt zu werden. Auf diese Weise lernt er, das Leben in einer realistischen Weise zu leben.

Narzissmus entsteht, wenn Missbrauch, Vernachlässigung und ein erdrückendes Umfeld einem Kind dabei im Wege stehen, eine gesunde Bindung zu seinen Lieben zu entwickeln. In einem solchen Fall entwickelt sich der Mensch nicht wie oben beschrieben. Stattdessen rutscht er von einem Bereich, in dem Emotionen und nuancierte Gedanken zugelassen werden, in einen Bereich des Egos, wo alles schwarz oder weiß, alles oder nichts ist.

In diesem Bereich bedeutet allein Kontrolle Sicherheit. Verwundbarkeit ist ein Rezept für eine Katastrophe. Dieser Zustand der Paranoia verschwindet auch dann nicht, wenn ein Mensch eine „Erleuchtungserfahrung“ macht. Das Bewusstsein für einen bestimmten Zustand stellt nur den Anfangspunkt dar, von dem aus ein Mensch beginnen kann, Veränderungen in seinem Leben vorzunehmen. Die harte Arbeit des Tuns steht ihm dabei noch bevor.

Der „Erleuchtete“ muss lernen, eine gesunde Scham, gesunde Grenzen und Verwundbarkeit zu akzeptieren, wenn er positive Veränderungen bewirken will. Vor allem muss er ein Trauma heilen und auf ein verlässliches emotionales Fundament zurückkehren. Dies erfordert Therapie und einen Ansatz von unten nach oben, aus dem Unbewussten ins Bewusste. 

Im Grunde handelt es sich hierbei um einen Prozess, indem der ursprüngliche, missbräuchliche Erziehungsprozess durch das Erleben einer „Ersatz-Elternschaft“ noch einmal durchlaufen und durch einen gesunden Prozess ersetzt wird.

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(GÜLTIG 20-28 MÄRZ)